Gedanken zum Mauerfall

 

 

 

Liebe Gemeinde,

„Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Von wem dieser Satz stammt, bleibt bis heute Streitthema. Einige ordnen es einem Leipziger Polizisten, andere einem Stasioffizier zu.

Andere sehen Horst Sindermann, den Präsident der Volkskammer als Urheber dieser Worte an. Der Schriftsteller Erich Löst legt in seinem Buch „Nikolaikirche“ diesen Satz einem von 3 Stasioffizieren in den Mund, die sich über die Geschehnisse im Herbst 1989 unterhalten.

Am 9. November diesen Jahres feiern wir 30 Jahre Mauerfall. Mitunter trauert auch manch Ostdeutscher darüber, dass es die DDR nicht mehr gibt. Auf jeden Fall sind wir 1989 Zeuge eines historisch einmaligen Ereignisses gewesen, was unser Leben verändert hat.

Große Einigkeit und Hoffnungen lagen damals in der Luft. Der Wille ein neues vereinigtes Land ohne Unterdrückung und mit mehr Freiheit aufzubauen. Heute schauen wir auf viele Dinge ernüchtert, teilweise auch enttäuscht. Dennoch bin ich Gott sehr dankbar für die politische Wende, weil es so mit der DDR hätte nicht weiter gehen können.

Aber ich frage mich, was lebt in uns noch an dieser lebendigen Hoffnung?

Was tragen wir noch in uns an Wille und Mut zur Veränderung. Die Kirchen haben sich wieder geleert, der Alltag Einzug gehalten und die Stimme von uns Christen ist kaum mehr hörbar in unserem Land. Das ist zumindest mein Empfinden. Das sage ich nicht, weil ich zur Resignation aufrufen will. Ich bin

grundlegend ein optimistischer Mensch. Vielleicht braucht es aber wieder vermehrt Kerzen und Gebete. Nicht gegen ein Regime – obgleich auch in unserer Zeit Kritik und Korrektur notwendig sind. Aber Kerzen und Gebete für eine bessere Zukunft. Für unsere Kinder und Enkel. Gebete um mehr

Gerechtigkeit und auch um mehr Eifer im Glauben. Denn die Gebete waren damals neben Umweltgruppen und politisch Aktiven der Ausgangspunkt für die Veränderung im Herbst 1989. Schwache Gebete, kontinuierliche Gebete. Gesprochen zu einem mächtigen Gott, der das Schicksal einer Nation an einem Tag wenden kann.

Die Bibel spricht immer wieder von der Herrlichkeit Gottes, die in den Nationen sichtbar sein wird. So wie in Hesekiel 39,21: „Ich werde meine Herrlichkeit unter den Nationen erweisen.“

Ich glaube, dass alle Christen dazu berufen sind als Träger dieser Herrlichkeit in unserer Welt zu leuchten. Im Kleinen, im Verborgenen, in den Dingen des Alltags und im Gebet.

Kerzen und Gebete als Beginn von Veränderung. Für unser Land, für unsere Kinder und Enkel, für unsere Gemeinden und Kirchen. Ich glaube an die Wirksamkeit dieses biblischen Konzeptes. Und sehe auch im Blick auf die Gegebenheiten unserer Zeit eine neue Notwendigkeit.

Aus diesem Grund möchte ich Sie und euch alle zu einer Zeit des Gebets im Monat November einladen:

An jedem Freitag im November ab 08.11. um 17.30 -18.00 Uhr in der Kirche in Tannenberg.

Jeder, der möchte, darf gern dazu kommen.

Alle anderen festen Gebetszeiten, die wöchentlich laufen, entnehmen sie bitte

unserem Kirchenblatt.

Das Gebet entbindet uns nicht von der Wichtigkeit des Handelns. Aber es soll der Beginn unseres Tuns sein. Wie es Martin Luther einmal sagte: „Heute habe ich viel zu tun, darum muss ich heute viel beten. Wie ein Schuster einen Schuh macht und ein Schneider einen Rock, so soll ein Christ beten.

Eines Christen Handwerk ist Gebet.“

 

Eine gesegnete Herbstzeit wünscht Ihnen Ihr/ euer Pfarrer Thomas Stiehl