Gedanken zum Monatsspruch - Oktober

 

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum

HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.            Jeremia 29, 7  

 

 

Liebe Gemeinde,

Am 3. Oktober jährt sich die deutsche Einheit vor 30 Jahren.

Von der Euphorie von damals kaum mehr eine Spur.

Dennoch ist es ein geschichtliches Ereignis, das bemerkenswert ist. Keine oder kaum Gewalt in dieser Zeit, ein Zusammenwachsen von Ost und West, was unmöglich erschien. In meinen Augen ein Wunder Gottes. Obgleich mit dem „Westen“ nicht das Paradies kam, wie es manche erwartet hatten. Heute kämpfen wir mit anderen Ungerechtigkeiten als damals. Das steht außer Frage. Trotzdem empfinde ich große Dankbarkeit darüber. Wo stünden wir heute ohne den Mauerfall und die Wiedervereinigung? Wirtschaftlich, politisch und im Blick auf die Umwelt? Waldsterben, verdreckte Flüsse,

schlechte Luft ... damit bin ich in Leipzig groß geworden.

 

Das hat sich seit der Wende dramatisch verbessert. Dazu der Wohlstand und viele Freiheiten und Möglichkeiten, die es für die meisten Menschen damals nicht gab. All das ist Grund „Danke“ zu sagen. Gleichzeitig fordert uns der Monatsspruch aus Jeremia 29 -„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn es ihr wohl geht, so geht es euch auch gut.“ heraus dran zu bleiben – im Gebet, im Einmischen in die Gesellschaft, im Mitgestalten. Wir sollen nicht die Hände in den Schoß legen, nur Meckern oder auf bessere Zeiten hoffen. Sondern aktiv im Sinne der Bibel werden. Schauen, was wir als Teil von Kirche und Gesellschaft verändern können. Darum ringen, wo wir Missstände beseitigen oder lindern können. All das liegt im kleinen Rahmen auch in unseren Händen. Und dazu ermutigt uns dieser Vers.  

Wie wir Mauern auch heute abbauen können erzählt eine wahre Geschichte aus dem China unserer Tage:

„Ein chinesischer Reisbauer begoss seine terassenförmig angelegten Reisfelder jeden Abend mühevoll mit Wasser.

 

Sein Nachbar, dessen Felder unterhalb lagen, öffnete in der Nacht die Dämme und so floss das Wasser auf seine Felder.

So dass der fleißige Bauer trotz der Bewässerung mit Trockenheit zu kämpfen hatte.

 

Aber der faule Reisbauer bewässerte seine Felder nicht.

Ein Streit entspann sich zwischen den beiden.

Der eine machte Vorwürfe.

Der andere stritt die Schuld ab!

 

So ging es lange Zeit hin und her.

Bis der fleißige Reisbauer darüber betete und anfing heimlich auch Wasser auf die Reisfelder des unliebsamen Nachbarn zu gießen.

Es dauerte nicht lange und der betrügerische Nachbar bat um Vergebung und beide wurden Freunde.“

 

Die Erinnerung an die Wiedervereinigung macht das Thema von Versöhnung und Eigenaktivität wieder aktuell. Wo sind wir gerufen Mauern abzutragen, Einheit zu stiften und unseren Teil dazu bei zu tragen. Die Geschichte aus China macht deutlich: auch dort, wo wir selbst nicht schuldig sind, können wir zu Versöhnern und Brückenbauern werden. Gerade dort, wo sich Fronten verhärten.

Setzen wir das doch mehr im Alltag um.

 

Einen goldenen Oktober und schönen Herbst wünscht Ihr / Euer Thomas Stiehl