Gedanken zum Monatsspruch  September

 

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr

Herz gelegt; nur kann der Mensch das Werk nicht ergründen, das Gott tut.

                  Weder Anfang noch Ende.            Prediger 3,11

 

Liebe Gemeinde,

„Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“ So heißt es in Goethes Faust. Ähnlich geheimnisvoll klingen die Worte aus Prediger 3. Denn der Vers aus dem Buch des Predigers gibt uns Rätsel auf.

„Der Mensch kann das Werk Gottes nicht ergründen – weder Anfang noch Ende.“

Sudoku oder Kreuzworträtsel sind lösbar. In der Mathematik gibt es zumindest fast immer eine Lösung. In der Musik sind die Noten klar definiert. Aber Gottes Wirken? Das scheint neben allen Gesetzen und allem klar Formulierten doch eine Tiefe und Größe zu haben, die man nicht einordnen kann wie die Streichhölzer in eine Schachtel.

Ist es ein Staunen, das uns hier entgegen tritt:

„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Auch die Ewigkeit hat er in ihr Herz gelegt.“?

Oder ist es ein Resignieren im Blick auf die Größe Gottes? Nach dem Motto: „Das ist mir einfach zu hoch, da schalte ich ab, da klinke ich mich aus.“

Die Schrift, die dem König Salomo zugeordnet wird, fasst Schlussfolgerungen aus dem Erkannten. Denn so steht es 2 Verse weiter:

„Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, damit wir uns vor ihm fürchten sollen.“

Nehmen wir diesen Sommer her. Die einen sagen, die extreme Hitze ist eine Folge des Klimawandels. Andere bestreiten das Gespenst des Klimawandels und sagen: es hat solche Extreme immer gegeben. Auch das Klima der Erde hat sich von Eiszeiten über Hitzezeiten immer auf und ab bewegt. Dabei will ich nur das Jahr 1540 nennen, wo die Menschen nach einem regenreichen milden Start im 16. Jahrhundert plötzlich ein Dürrejahr erlebten, indem es fast 11 Monate nicht regnete und die Menschen zu Fuß! durch das Flussbett der Donau wandeln konnten. Das war noch weit vor Industrialisierung und Umweltverschmutzung. 300 Chroniken berichten über dieses Ereignis sehr detailliert.

Andere deuten diesen Sommer 2018 geistlich und zitieren aus der Bibel das Buch Haggai:

„Denn ihr erwartet sicher viel, aber siehe, es wird wenig, und wenn ihr dabei seid es heim zu bringen, blase ich es weg. Warum? Spricht der Herr Zebaoth: Weil mein Haus (so wüst dasteht und ein jeder nur eilt, für sein eigenes Haus zu sorgen. ... Deshalb habe ich die Dürre gerufen über Land und Berge, über Korn, Wein, Öl und über alles, was aus der Erde kommt, auch über Mensch und Vieh und über alle Arbeit der Hände.“(Kapitel 1,9-11)

Dieses Wort gilt es zu prüfen. Jedoch bin ich überzeugt davon, dass Gott uns Menschen mit dieser extremen Hitze etwas sagen will.

Unsere Gesellschaft kümmert sich immer weniger um die Dinge und Ordnungen Gottes. Und auch wir als Kirche passen uns zu sehr den Gegebenheiten und Strömungen unserer Zeit an, so wie es der Theologe und Autor Jörg Zink sagt:

„Die Kirche ist viel zu vielen verschiedenen Menschen verpflichtet, mit ihnen übereinzustimmen, und das will sie nicht in Gefahr bringen. Und genau das ist das Unglück. Denn das ist ein Teil ihrer mangelnden Glaubwürdigkeit.“

Hinter den Ereignissen dieses Sommers sehe ich deutlich ein Rufen Gottes an uns als Leib Christi, aber auch ein Weckruf an die Welt, umzukehren und nach den Worten Jeremias „unser Leben und unser Tun zu verändern und zu bessern.“

Denn dann, so verspricht es Gott, will er wieder in unserer Mitte wohnen. (Jeremia 7,3).

Was fangen wir nun mit all diese Dingen, Tatsachen und Rätseln an? Ein Schlüssel für mich ist der 1. Satz des Monatsspruches: „Auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gegeben.“ und „Alles, was Gott tut, ist ewig.“ Für mich wirft das die Frage für mein Leben auf: Was hat Ewigkeitswert in meinem Leben?

Wo folge ich diesem Stück Ewigkeit, das Gott in mein Herz gelegt hat? Ich muss nicht alles begreifen, ich muss nicht alles erklären oder ergründen können, was Gott tut. Aber ich kann dem Klang der Ewigkeit, der schon in meinem Herzen wohnt, nachgehen. Die Wichtigkeit dieser täglichen Entscheidung ist für uns als Familie noch einmal deutlich geworden, weil die Heimat meiner Schwiegereltern (Kerala, Indien) gerade unter Wassermassen versinkt, Dörfer weggespült werden, Menschen ertrinken oder von Schlangen, die angespült werden, getötet werden. Von einem Tag auf den anderen kann alles vorbei sein. Das soll uns keine Angst machen, sondern beflügeln, die Ernsthaftigkeit und die Zeichen dieser Zeit versuchen zu deuten und dabei den Ewigkeitswert unseres Lebens zu vergrößern.

Anfang und Ende liegen in Gottes Hand. Aber wie das „Dazwischen“ aussieht – dürfen wir gestalten, wählen, immer wieder neu herausfinden. Für dieses Suchen und Ringen schenke Gott uns seinen guten Geist und seine Gnade.

 

Einen guten Start in das neue Schuljahr/ Arbeitsjahr wünscht Ihr/ Euer Thomas Stiehl