Gedanken zum Monatsspruch  Juli

 

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum

Reden, langsam zum Zorn.      

                                                                                                                                               Jakobus 1, 19

 

Liebe Gemeinde,

„In der Ruhe liegt die Kraft“. So sprechen wir uns selbst oder einem hektischen Menschen mitunter Mut zu. Ruhe und Besonnenheit sind wichtig, auch wenn es uns nicht immer gelingt diese Tugenden in den Alltag zu integrieren. Hektik und unbedachtes Handeln haben das Potential von Zerstörung und Unfrieden. Das wissen die meisten von uns aus eigener Erfahrung. Deshalb mahnt uns die Bibel

immer wieder, unser Tun und Handeln, aber auch unsere Worte unter diesen Bogen der Ruhe und Besonnenheit zu stellen. In der jüdischen Tradition war das Hören ein wichtiges Element im gemeinsamen Leben. So durften in einer Rats- versammlung z.B. zuerst die Alten und dann erst die anderen bis zum Jüngsten sprechen. Das trainierte das „Hören“ und brachte die Einübung von Geduld ein. Im Jakobusbrief heißt es: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Ein Dreifach -Zaumzeug oder Zügel, welches Jakobus uns hier anlegen will. „Schnell, langsam, langsam...“ Das ist besonders für die Gruppe der Choleriker eine große Herausforderung: Zum 1. Zügel: „Schnell zum hören“ - die Tendenz neigt sich eher zum schnellen Sprechen. Ein Ohr, das so offen ist zu hören und auch hinter die Worte hören will, ist ein kostbarer Schatz und ein Geschenk im Leben. „Langsam zum Reden...“ - wie schnell sind wir mit unseren eigenen Gedanken vorneweg, ehe wir uns die Zeit genommen haben, den anderen zu hören. Manchmal tut es gut, die Worte, die einem schon auf der Zunge liegen oder uns durch den Kopf schießen, noch einmal zu prüfen, zu filtern und zu bedenken. Worte, die einmal gesprochen worden sind, kann man nicht zurück nehmen. So wie es im Kapitel 3 steht: „Obwohl die Zunge ein kleines Glied ist, richtet sie große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet es an!“ Ein Bildwort, das die Kraft unserer Worte verdeutlicht.

Die Entdeckung der Langsamkeit tut nicht nur Herzkranken Menschen gut, sondern wird uns als eine Art Zügel von Jakobus empfohlen. Aus dem 1. und 2. folgt dann das 3.- „langsam zum Zorn zu sein“ – das bedeutet sowohl mit den ausgesprochenen Worten, die manchmal mit Feuer gesalzen sind wie auch die Reaktion auf uns nicht angenehmen Worten in den Bremsvorgang zu bringen.

Wie es uns in Sprüche 12,18 beschrieben wird: „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“

Heilende Worte brauchen wir alle und das Gebet, das auch über unseren Mund

und unser Lippen Worte des Lebens und der Heilung zu anderen gehen.

Diesen Weg beschreibt Kurt Wolff poetisch, meditativ:

„Wer Ohren hat, der höre - Wer Augen hat, höre und sehe-

Wer Hände hat, höre, sehe und tue -

Wer Füße hat, höre, sehe, tue und gehe -

Wer einen Mund hat, höre und sehe, tue, gehe und rede –

Und schweige ...Und schweige ...Und schweige...Und höre“ 

 

Einen schönen und erholsamen Sommer, Ihr / Euer Pfarrer Thomas Stiehl