Gedanken zum Monatsspruch


Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller, die verlassen sind!

Schaffe Recht den Armen!

                                                                                                                                                                     Sprüche 31,8

 

Liebe Gemeinde,

 

Manchmal sagen wir: „Da ist guter Rat teuer.“ Wer kennt solche Situationen nicht, die so verfahren sind, dass man nicht weiß, was man entscheiden und tun soll. Unser Herz ist dann unruhig, mancher rauft sich bildlich die Haare. Eine großartige Apotheke in Sachen Weisheit und Arznei für fehlenden Rat und

Weisheit ist das Buch der Sprüche. Es steht gleich hinter den Psalmen. Eine Schatztruhe voller Weisheiten und göttlicher Hinweise für allerlei Lebensthemen und Situationen. Viele Bibelschulen empfehlen jeden Tag ein Kapitel daraus zu lesen, so dass man in einem Monat mit den 31 Kapiteln durch ist, um gleich wieder von vorn zu beginnen. Für so kostbar werden diese Sprüche und

Weisheiten gehalten.

Eines dieser Sprüche lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Armen, die Schwachen der Gesellschaft. Auf die Menschen, die keine Kraft oder kein inneres Selbstbewusstsein haben, ihre Stimme für sich selbst zu erheben.

Für sie sollen wir den Mund auftun und unsere Stimmen erheben. Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller, die verlassen sind! Schaffe Recht den Armen! Wir fragen uns: wie kann das gehen? Ich glaube, jeder von uns hat Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung, die unsere Hilfe

gebrauchen können. Manchmal reicht ein aufmunterndes Wort oder Hilfe beim Rentenantrag oder bei einem Gang zu einer Behörde. Praktische Hilfe im Haushalt, finanzielle Unterstützung oder unsere Stimme zu erheben, wo andere ungerecht behandelt worden sind. Die Bibel sagt sinngemäß: das ist Teil unseres Christseins: „Öffne deinen Mund für den „Stummen“, denn wer sich der Armen erbarmt, leiht dem Herrn…(Sprüche 19,17). Ich erinnere mich an einen Alkoholiker aus Leipzig, der immer heillos betrunken war. Er kam immer wieder in das Jugendcafe, was meine Heimatgemeinde damals betrieb. Die Mitarbeiter behandelten ihn immer mit Achtung und Liebe. Obwohl er oft laut war, teilweise

andere beleidigte und nicht wirklich bei sich war. Dann sahen wir diesen Mann für eine lange Zeit nicht mehr. Eines Tages tauchte er wieder auf. Ich hatte gerade Cafe -Schicht. Und da ich annahm, dass er wieder betrunken war, sprach ich ihn etwas salopp an. Er schaute mich an und sagte mir: „Ich bin trocken, ich trinke nichts mehr.“ Ein verwandelter Mensch stand vor mir. Wir konnten uns über viele

Themen unterhalten, was vorher nicht möglich gewesen war. Ich staunte, war Gott dankbar. In meinem Herzen spürte ich: „Die Liebe im Sinne von „Schaffe Recht den Elenden und Armen“ – bringt Verwandlung – nicht viele schöne Worte. Gott ruft seine Gläubigen und seine Gemeinde, diese Sorge um die „Stummen“, Vergessenen, Armen und Hilfsbedürftigen immer wieder in den Blick zu nehmen. Jeder kann beten, Herr, zeige mit den einen, dem ich meine Aufmerksamkeit widmen soll.

So wie es Hermann Hesse treffend formuliert hat:

„Fühle mit allem Leid der Welt, aber richte deine Kräfte nicht dorthin, wo du machtlos bist, sondern zum Nächsten, dem du helfen, den du lieben und erfreuen kannst.“

 

In Zeiten, die schwer und herausfordernd für viele sind, grüßt Sie herzlich

                                                                                                                                             Ihr/euer Pfr. Thomas Stiehl