Liebe Festtagsgemeinde,

 

„Gott will nicht, dass wir uns in ihm verlieren, sondern dass wir uns in ihm finden.“

 

So sagt es: Christian Morgenstern

 

Verlorenheit hat viele Gesichter.

Der Bettler am Straßenrand.

Die Zwangsprostituierte im Bordell.

Der Verzweifelte in unserer Mitte.

Der Verängstigte in dieser Zeit.

Der Hoffnungslose inmitten finanziellen Reichtums.

 

Von Verlorenheit singt auch das Lied: „Oh du Fröhliche“

Welt ging verloren, Christ ward geboren – freue dich oh Christenheit.

 

Christen und Nichtchristen.

Optimisten und Pessimisten können erkennen.

Unsere Welt ist verloren.

Ohne Gott.

 

Der Epheserbrief bezeugt es in Kapitel 2,12

„Ohne jede Hoffnung und ohne Gott habt ihr in dieser Welt gelebt“

 

Von dieser Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit zeugen die Nachrichten.

Mit den brennenden Flüchtlingslagern.

Der Heuschreckenplage aktuell in Ostafrika.

Der scheinbar notwendigen, aber für die nächsten Generationen

verantwortungslosen Neu - Verschuldung der Staaten.

Aber auch dem Einzelnen, der kein Land sieht, der sich fremd oder

selbstverschuldet nicht aus Armut oder Gefangenschaft befreien kann.

Menschen, die ihre Zuversicht und den Glauben an alles Gute und Fröhliche

verloren haben.

Mitmenschen, die nichts mehr erwarten.

Die im Inneren sagen:

„Ich habe fertig“. (in Anspielung auf den italienischen Trainer)

 

Noch einmal diesen Vers aus dem Epheserbrief:

„Ohne jede Hoffnung und ohne Gott habt ihr in dieser Welt gelebt“

 

Das ist keine Vermutung oder keine vermeintliche Annahme, sondern das ist eine Feststellung.

Jeder, der in Sünde gefangen ist, weiß, wie sich das anfühlt.

 

Die innere Verlorenheit.

Eine innere Leere.

Eine Art Gefangenschaft, die unsichtbar ist.

Einen Abgrund, den niemand sieht, der aber gefühlt real ist und das eigene

Leben bestimmt.

 

Eine Entfernung von Licht und Hoffnung, was kein Mega Geschenk, keine

Million und auch keine Luxusreise ausfüllen oder überbrücken kann.

 

Aber mit der Geburt von Jesus wird diese Hoffnungslosigkeit auf den Kopf gestellt.

Es heißt nicht: „Knüppel aus dem Sack“, sondern alle Asche, alles Schwarze

und alles Schwere darf ausgekippt werden und im Lichte Gottes verbrannt werden.

 

Zu Weihnachten erinnern wir uns.

Gott kommt in die Welt.

Zu allen Verlorenen.

In jede Finsternis.

In jede Tiefe und jedes Unglück.

In jede Trauer und jeden Abschied – von Menschen, Vorstellungen und lieb gewonnenem.

 

Welt ging verloren, Christ ward geboren – freue dich oh Christenheit

Gott wird Mensch.

Wir dürfen es aussprechen.

Wir dürfen es glauben.

Diese 2000 Jahre alte Wahrheit.

 

Und als Ergebnis dessen dürfen wir diesem Satz

„Ohne jede Hoffnung und ohne Gott habt ihr in dieser Welt gelebt“

Den kleinen Nachsatz anschließen: „Doch das ist jetzt vorbei“.

 

Denn so schreibt es Paulus.

Doch das ist vorbei! Jetzt gehört ihr zu Jesus Christus, der am Kreuz sein Blut für euch vergossen hat.

 

Ihr seid Gott jetzt nahe, obwohl ihr vorher so weit von ihm entfernt gelebt habt.

 

Gott überwindet diesen Graben.

Den Graben.

Zwischen Himmel und Erde.

Indem er Mensch wird.

Aber auch den Graben, der in uns zu finden ist.

Die Entfernung zu Gott.

 

Denn der Sohn des Menschen (Jesus Christus) ist gekommen um zu suchen und zu retten, was verloren ist.     (Lukas 19,10)

 

Das ist Weihnachten.

Das ist Christgeburt.

Das ist die Absicht Gottes.

Der Wille des Vaters.

Der Auftrag von Jesus Christus.

„Er ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

 

Und wieviel Verlorenheit wohnt manchmal in unserer eigenen Seele.

In unseren Gedanken und Taten.

In dem, wo wir hoffnungslos, frustriert oder unbarmherzig mit uns selbst oder untereinander sind.

All diese Dinge zählen für mich zu dem Bereich des Verlorenen.

 

Wo Gott hinein tauchen will.

Wo er uns sucht.

Wo er klopft.

Wo er den Finger drauf legt.

Wo er geduldig wartet.

Wo er mit dem Rettungsanker für uns steht.

 

Damit wir gefunden werden.

Oder auch zum ersten Mal so richtig errettet werden

.

„Er ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“

„So bitten wir anstelle von Christus: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Korinther 5,19-20)

 

Gott muss sich nicht mit uns versöhnen.

Sondern er hat es bereits getan!

Er hat sich bereits mit uns versöhnt durch den Tod seines lieben

Sohnes Jesus Christus.

 

Weihnachten redet als dieses Licht der Welt zu uns.

Gott hat gehandelt.

Gott ist gekommen.

Gott hat sich versöhnt.

Er hat seinen Teil erfüllt.

 

Nun sind wir dran.

Wir dürfen antworten.

Wir dürfen neu herzu treten zu diese Krippe.

Hoffnungslosigkeit und Gottesferne sind vorbei.

 

Weil Christus sein Blut für uns vergossen hat.

 

Damit wir dort, wo wir weit entfernt waren von Gott.

Nun in seine Nähe kommen können.

In das Licht von Bethlehem.

An die Krippe.

Um den Erlöser der Welt in uns aufzunehmen.

 

„Gott will nicht, dass wir uns in ihm verlieren, sondern dass wir uns in ihm finden.“

 

Amen.

 

Ein gesegnetes Fest in diesen verrückten und schwierigen Zeiten

 

 

Ihr / Euer Pfarrer Thomas Stiehl