An(ge)dacht


 

Liebe Gemeinde,

 

der Deutsche plant gerne, ist gut im Organisieren. Es muss alles seine Ordnung

haben. Die deutsche Ordnung und Gründlichkeit ist in der Welt bekannt. Manche

machen sich darüber lustig. Andere schätzen es sehr. Als wir in unserem Sommerurlaub,

den wir mit Freunden verbrachten, im Quartier auf einige Schwierigkeiten

trafen, machte sich die Frau unseres Freundes gleich in die Spur. Es wurde

telefoniert, Missstände angesprochen und solange gedrängelt, bis alles seine

Ordnung hatte. Am Anfang dachte ich, was macht die denn für einen Stress, ich

will Urlaub machen. Am Ende war ich glücklich, dass sie sich darum gekümmert

hatte. Die Änderungen steigerten die Behaglichkeit des Urlaubs, der Vermieter

war am Ende ebenfalls zufrieden. Unverhofft kommt oft. Das haben wir auch in

den letzten Monaten erfahren. Dass wir im Alltag oder auch im Privaten auf

unerwartete Situationen stoßen. Den einen bringt es zur Verzweiflung, andere

lieben Herausforderungen. Die Bibel erzählt immer wieder von Geschichten, die

von unerwarteten Veränderungen berichten.

Die Jünger von Jesus, die plötzlich ihre gewohnte Arbeit verlassen. Paulus, der

durch einen Traum oder einen Engel auf eine andere Fährte geleitet wird. Joseph

und Maria, die plötzlich fliehen müssen. Veränderungen sind nicht immer leicht

oder angenehm. Aber sie bieten die Chance unseren Blick auf Gott zu wenden.

Wir dürfen uns fragen: Was will Gott hier tun, was bietet die Situation auch für

Chancen? So wie es in dem Buch der Sprüche steht: „Gedenke an Gott in allen

deinen Wegen, so wird er dich recht führen. (Sprüche 3,6). - Ich empfinde, dass

wir Christen in diesen unruhigen Zeiten immer mehr auf Gott vertrauen sollten.

Ihn präzise hören und wahrnehmen können. Er weiß, was kommen wird. Er weiß,

wie er sein Volk durch die Wüste und die Jünger durch Stürme geleitet hat, wie es

mit uns weiter gehen wird. Dabei müssen wir nicht alle Details wissen. Sondern

das Vertrauen in ihn wachsen lassen. Ich sage nicht, dass das leicht ist. Aber es ist

wie ein Anker in dieser Zeit oder wie der Rückenwind, der uns innerlich und

äußerlich weiterbringt. Und was, wenn einmal Verfolgung von Christen auch

nach Europa kommt? Wenn noch schwierigere Umstände unseren Alltag bestimmen

sollten als jetzt? Dann haben wir gelernt auf IHN zu vertrauen, und seine

Stimme zu hören. „Gedenke an Gott in allen deinen Wegen, so wird er dich

recht führen. - Auch in den kleinen Details. Aus dem Grund empfinde ich diese

Zeit als ein gutes Training für das Kommende. Dankbar zu sein in allen Dingen

… in dem Wissen: „Gott lässt uns nicht allein.“ Er weist uns den Weg.

Unverhofft kommt oft. Das werden wir sicher auch in der nächsten Zeit erleben. 

Aber er steht uns bei. Das soll uns nicht blind im Blick auf die Entwicklungen der

Zeit machen, jedoch können wir auch in jeder Situation eine Chance, Gelegenheit

oder Weg entdecken. „Dazu braucht Gott Menschen, die sich alles zum Besten

dienen lassen…“ So hat es einmal Dietrich Bonhoeffer ausgedrückt. „Gedenke

an Gott in allen deinen Wegen. So wird er dich recht führen.“ Dieser Vers ist

eine mutmachende Botschaft für die kommende Zeit.

Ein Hinweis, eine Wegweisung, die wir als Christen auch unseren Mitmenschen

mit auf den Weg geben können.

Es grüßt herzlich Ihr/ Euer Pfr. Thomas Stiehl