An(ge)dacht


Der Traum vom Glück

 

Es war einmal ein Prinz, weit drüben im Märchenlande. Weil der ein Träumer war, liebte er es sehr, auf einer Wiese nahe dem Schloss zu liegen und träumend in den blauen Himmel zu sehen. Denn auf dieser Wiese blühten die Blumen größer und schöner als sonst wo. Und der Prinz träumte von weißen Schlössern mit hohen Spiegelfenstern und leuchtenden Söllern.

Es geschah aber, dass der alte König starb. Nun wurde der Prinz sein Nachfolger. Und der neue König stand nun oft auf den Söllern seines weißen Schlosses mit den hohen Spiegelfenstern. Und er träumte von einen kleinen Wiese, wo die Blumen größer und schöner blühten als sonst wo.

 

Dies Märchen von Bertolt Brecht erinnert uns daran, dass wir das Glück immer dort vermuten, wo wir nicht sind. Immer das, was andere haben oder woanders ist, wäre das Glück. So sind wir mehr vom Fehlenden bestimmt als vom Vorhandenen erfüllt. Die Macht des Fehlenden gewinnt über uns eine traurige Gewalt. Wir übersehen das Glück, das wir haben, indem wir von dem Glück träumen, das woanders wohnt. So betrügen wir uns selbst um ein fröhliches und dankbares Leben.

Lassen wir uns von der Macht des Fehlenden erlösen und zu einem Blick für das Vorhandene befreien.

 

„Seid allzeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen!“

                                                                                                                                                         1. Thessalonicher 5, 16-18