An(ge)dacht


In einer jüdischen Weisheitsgeschichte heißt es:

 

Rabbi Israel ben Ekiser fragte einmal seine Schüler, wie man die Stunde

erkennen kann, in der die Nacht endet und der Tag heraufzieht. Ein

Schüler schlug als Antwort vor: “Wenn man von Weitem einen Hund von

einem Schaf unterscheiden kann.“ „Nein“, antwortete der Rabbi. Ein

anderer Schüler sagte: „Wenn man einen Weinstock von einem

Feigenbaum unterscheiden kann.“ Wiederum verneinte der Rabbi. „So sage

uns die Lösung“, baten die Schüler. Ihr Lehrer sagte: “Es ist dann, wenn

du in das Gesicht eines Menschen schauen kannst und genug Licht hast,

um in ihm deinen Bruder, deine Schwester zu erkennen. Bis dahin ist es

dunkel, und die Nacht ist noch bei uns.“

 

Der Weg ins Licht führt über den Menschen neben mir, nicht an ihm vorbei.