An(ge)dacht


WIND UND GEIST

 

Der Wind weht ums Haus. Er säuselt, er pfeift, er stürmt, und manchmal

scheint er das große Gebäude sogar wegfegen zu wollen.

Ich sehe ihn nicht, ich sehe nur, was er bewegt.

Ich höre ihn, doch kann ich ihn nicht greifen.

Ich stemme mich ihm entgegen und erlebe seine Kraft, doch fassen, gar

erfassen, kann ich ihn nicht.

Der Wind ist da, ist gegenwärtig. Das kann niemand bezweifeln, obwohl ihn

niemand sieht.

 

Der Geist gleicht dem Wind. Auch den Geist sehe ich

nicht, ich sehe nur was er bewegt.

Mir kommen Ideen, mir kommt die Gewissheit, die Idee

durchsetzen zu können, mir kommt die Kraft, sie zu

verwirklichen. Ich verwirkliche sie in die Tat.

Der Geist ist da, ist gegenwärtig. Das kann niemand

bezweifeln, obwohl ihn niemand sieht.

 

Der Geist und der Wind – sie kommen aus Räumen, die ich nicht erkenne, sie

ziehen zu Räumen, die ich nicht sehe. Jetzt sind sie da, spürbar, fühlbar,

mächtig, sind dichteste Wirklichkeit.

Doch fassen, gar erfassen kann ich sie nicht

 

Aus: Uwe Böschemeyer, Das Leben meint mich