Geistliches Wort


Liebe Gemeinde, liebe Leser,

 

 

„Parolen, Appelle sind sinnlos oder Phrasendrescherei“. So die Meinung von einigen. Und doch begegnen uns immer wieder klare Aufforderungen in der Bibel. Da steht nicht: „Es wäre schön, wenn“ – oder: „Ihr solltet mal überlegen, ob…“. Sondern ganz klar und deutlich, ja fast militärisch kommen uns Worte entgegen. Hier geht es um den Aufruf einander zu lieben, aufeinander zu achten und im Wetteifer um gute Werke zu sein.

Ein Hauch von Olympia kommt uns in den Worten entgegen. Interessant ist, dass das griechische Wort Acht haben im Kontext von Spionen verwendet wird. Was deutlich macht, dass es um sehr genaue, im weltlichen Sinn um eine präzise und heimliche Beobachtung des anderen geht. Auch wenn dies vom Schreiber des Hebräerbriefes nicht gemeint ist, kommt die Bedeutung des Wortes zum Tragen.

Es geht eben nicht um ein flüchtiges oder oberflächliches Acht haben, sondern um ein mitfühlendes und hinter die Kulissen schauendes Acht haben untereinander.

Wie geht es dem anderen, was braucht derjenige, was er mitunter nicht zeigt, zugibt, verbalisiert. Ein Acht haben und sich wahrnehmen, was über ein erstes Empfinden oder oberflächliches Miteinander hinaus geht. So wie ein guter Freund manchmal sagt: „Du, ich habe das Gefühl, dass du gerade nicht gut drauf bist“, und alle anderen bemerken dies nicht. Sicher kann dieser Anspruch nicht mit allen

Menschen um uns herum gelebt werden, aber doch mit denen, die Gott uns an die Seite stellt.

Aufeinander Acht haben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Eine Dimension, die unser Glaube immer wieder durch sein Wort anspricht. So zum Beispiel in Jakobus 2, 17: So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Und damit dies nicht geschieht,

sollen wir uns im geschwisterlichen Wettkampf anspornen zu guten Werken. Das bedeutet nicht, zu arbeiten bis der Arzt kommt. Aber diese Dimension des Glaubens ins Gespräch und den Blick zu nehmen und dort miteinander in Freude zu leben. Sich anspornen ist etwas sportliches, da lese ich keinen Zwang oder eine gesetzliche Pflicht. Sondern ein Geschehen, das im Miteinander seine Dynamik

entwickelt. Erlebt habe ich dies einmal mit meinen Kindern. Wir waren als Familie mit dem Abschleifen von Fenstern beschäftigt. Ich wollte nur das Nötigste machen, so dass das Zimmer wieder annehmbar aussieht. Unsere große Tochter war aber schon beim Abbrennen der gesamten Farbe des Fensters und

sagte: „Papa, das machen wir jetzt auch noch.“ Nach einem kurzen tiefen

Durchatmen sagte ich: „Na, wenn ihr die Kraft dazu habt, bin ich dabei.“ Ich war beeindruckt von ihrem Eifer und die Faulheit war verflogen.

Lasst uns aufeinander Acht haben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken kann unseren Alltag bereichern und beflügeln, kann uns Segen bringen und auch neuen Schwung verleihen.

 

Herzlich grüßt Sie und Euch       Pfr. Thomas Stiehl