Geistliches Wort


Liebe Gemeinde,

 

ein gemütliches Jahr sieht anders aus. Ein friedlicher Ausblick auf die

Weihnachtszeit auch. Keiner von uns, weder Politiker, noch wir als Bürger,

wissen genau was kommen wird. Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit.

Der politischen, wirtschaftlichen und in Teilen der Welt auch kriegerischen

Gefahren. Gemütlichkeit war mal. Anspannung, Machtpolitik, Panikmache

und anderes bestimmen den Alltag. Inmitten dieses Karussells denke ich an

das Jesu Wort: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich

euch. Ich gebe nicht so, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht

und fürchte sich nicht.“ Inmitten von (übertriebenem!) Virus Wahnsinn,

den mutigen Protesten in Belarus, dem Krieg um Bergkarabach und

anderen Krisenherden leuchtet dieses Wort auf. „Frieden, meinen Frieden

gebe ich euch…“ Die Rede ist vor allem von innerem Frieden, von

Vertrauen in Gott, von Gelassenheit in der Gefahr, von Zuversicht auf den

Fels Christus. Szenenwechsel: Der Herbsturlaub wurde abgesagt.

Beherbergungsverbot. Risikogebiet. In Berlin, wo wir als Familie 3 Tage

dann waren – leere Hotels, verzweifelte Hoteliers. Erstes Thema bei jedem

Zusammentreffen – Corona - . Das erste Wort, das Jesus spricht ist nicht

„Corona“, sondern: „Friede sei mir euch.“ Sinngemäß sagt es uns: „Dreht

nicht durch, schaut nicht auf die Umstände, schaut auf mich, bleibt

standhaft im Sturm, legt mir alles zu Füßen, was euch bedrückt, sorgt, um

den Schlaf bringt und Angst bereitet.“ Es ist eine Zeit, in der wir Christen

neu lernen können Gott tiefer zu vertrauen. Er weiß um die Umstände, er

kennt auch unser Herz. Deshalb sagt er: „Euer Herz erschrecke nicht!“

Erschrockene Herzen trifft man in dieser Zeit viele. Panik, Untergangsstimmung

und Sorge prägen Worte und Gedanken vieler Menschen. Aber

auch Wut macht sich breit. All das ist nachvollziehbar und verständlich.

Als Christen sind wir meiner Meinung nach in dieser Zeit gerufen zu

Friedensstiftern zu werden. Durch besonnenes Handeln, durch ermutigende

Worte. Und nicht zuletzt durch anhaltendes Gebet. „Friede sei mit euch!“

Das können wir in den Alltag hinein atmen und sprechen, verzagte Herzen

ermutigen und den Frieden von Christus unter uns aufrichten. Für mich ist

das ein heilsames Rezept – nicht das einzige – aber eines, was wirkt und

notwendig ist. Erschrockene Herzen werden nicht ruhig durch Wut und

Protest. Aber durch Gottes Frieden. Zivilcourage ist wieder an anderer

Stelle gefordert. Wer Gottes Frieden in seinem Herzen Raum gibt

und diesen regieren lässt, weiß, wovon ich spreche. Ruhe im Sturm,

Gewissheit inmitten der Angst. Zuversicht inmitten dunkler Wolken.

Dieser Frieden ist real. Atmen wir ihn doch ein – zusammen mit der

schönen Herbstluft. Aber auch wieder aus - hinein in die Welt von Angst

und Tod.

Damit Gottes Friedensreich kommt. Nicht zuerst äußerlich. Sondern – wie

der Evangelist Lukas es schreibt – es bricht inwendig in uns an.

 

Herzliche Grüße von eurem / ihrem Pfarrer Thomas Stieh